Zukunft auf höchstem Niveau

Der Rettungsdienst steht derzeit und in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Um auch in Zukunft die bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten, braucht es die richtigen Strategien. Die RKiSH setzt auf gut ausgebildete Mitarbeiter und effektives, nachhaltiges Management.

Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Bis zum Jahr 2025 wird die Einwohnerzahl Schleswig-Holsteins um 1,5 Prozent sinken, aber der Anteil der Menschen über 75 Jahre gleichzeitig um 55 Prozent zunehmen. Was das für den Rettungsdienst bedeutet, hat RKiSH-Mitarbeiter Michael Scheffler in einer umfangreichen Studie untersucht. Laut seinen Berechnungen wird die RKiSH in zehn Jahren nicht mehr wie aktuell rund 120.000 Einsätze pro Jahr leisten müssen, sondern bis zu 173.000 – eine Zunahme um fast 45 Prozent. Entsprechend werden auch mehr Einsatzfahrzeuge wie Rettungswagen (RTW) gebraucht. 2014 waren 54 Fahrzeuge täglich im Einsatz. 2025 werden es vermutlich 50 Prozent mehr sein. Michael Scheffler kalkuliert mit einem Bedarf von 81 Fahrzeugen. Dazu kommt eine strategische Reserve für Großereignisse oder Ersatz im Reparaturfall. In Summe also ein erheblicher Mehraufwand.

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3 Fragen an

Michael Reis, Dipl.-Betriebswirt

Geschäftsführer

Warum macht sich die RKiSH so viele Gedanken über die Zukunft?

Das ist nicht nur wichtig, um uns als Unternehmen optimal aufzustellen. Auch die Patienten, die Öffentlichkeit und unsere Mitarbeiter wollen wissen, wohin die Reise geht. Gerade als kommunales Unternehmen ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, den Bürgern zu sagen: Das sehen wir an Problemen auf uns zukommen. Und so wollen wir das lösen.

Welche Vision haben Sie für die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein?

In zehn Jahren haben wir eine gut gehende Krankentransport-Flotte, die termintreu und verbindlich das Entlassungsmanagement der Krankenhäuser und das Einweisungsmanagement von niedergelassenen Praxen übernimmt. Im Bereich Notfallrettung arbeiten wir leitlinienkonform mit anschließenden Supervisions-Systemen und haben eine nahtlose Versorgungskette zwischen Rettungswagen und Therapie-Diagnostik im Krankenhaus.

Wie wird sich die RKiSH entwickeln?

Wir werden weiter wachsen. Im Jahr 2025 werden wir schätzungsweise bis zu 1000 Mitarbeiter haben und einen Fuhrpark mit bis zu 120 Rettungs- und Krankentransportwagen. Als mitarbeiterorientiertes Rettungsdienst-Unternehmen werden wir die Zukunft mit aller Leidenschaft und mit allem Engagement gestalten.

Die größte Herausforderung ist der Personalbedarf

Dabei sind neue RTW noch relativ leicht zu beschaffen. Ganz anders sieht es mit qualifizierten Mitarbeitern aus. Im gesamten Gesundheitswesen fehlt zunehmend das Fachpersonal. Die Berechnungen der Studie haben ergeben, dass die RKiSH im Schnitt jedes Jahr 36 neue Kollegen benötigt – allein aufgrund des demografischen Wandels und um ausscheidende Kollegen zu ersetzen. Doch auch diese Zahl kann noch weiter steigen: Wenn der Trend zur Teilzeitarbeit anhält und zukünftig noch mehr Aufgaben auf die Mitarbeiter des Rettungsdienstes zukommen.

Somit wird die vielleicht wichtigste Herausforderung der Zukunft sein, gute Mitarbeiter zu finden und sie langfristig an die RKiSH zu binden. Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Deswegen bieten wir unseren Kollegen an, sich ständig weiter zu qualifizieren und im Unternehmen weiterzuentwickeln. Unsere Mitarbeiter sind Teil eines Teams und sollen die RKiSH durch ihr Feedback und ihre Ideen mitgestalten. Denn nur mit motivierten und zufriedenen Mitarbeitern lassen sich die Herausforderungen der Zukunft bewältigen.

Weniger Hausärzte als Ansprechpartner

Diese grundlegende Qualifizierung ist auch die Basis, um an anderen Stellen in der Gesundheitsversorgung eine koordinierende Rolle zu übernehmen. Gerade in den ländlichen Bereichen ist der demografische Wandel besonders stark zu spüren. So rechnet das Innenministerium Schleswig-Holstein für die Kreise Dithmarschen und Steinburg bis zum Jahr 2025 mit einem Bevölkerungsrückgang von rund 7 Prozent. Schon heute ist die nächste Hausarztpraxis nicht mehr für jeden schnell erreichbar. Aber die nächste Rettungswache ist nur wenige Minuten entfernt. Auf den Rettungsdienst wird eine immer höhere Nachfrage zukommen.

In solchen Fällen brauchen Rettungsdienstmitarbeiter in der Zukunft die rechtliche Grundlage, die es ihnen erlaubt, eine koordinierende Funktion zu übernehmen. Sie sollten entscheiden können, ob ein Transport ins Krankenhaus zwingend notwendig ist oder ob z. B. die Erstversorgung durch den Rettungsdienst später von einem niedergelassenen Arzt weitergeführt werden kann. Damit kann man nicht nur dem Patienten unnötigen Stress ersparen, auch die chronisch überfüllten Notaufnahmen der Krankenhäuser werden so entlastet.

Gute Notfallrettung greift perfekt Hand in Hand

Die bestmögliche Patientenversorgung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren im Gesundheitswesen – sowohl im menschlichen als auch im technischen Bereich. Gemeinsam mit den Arztpraxen und Krankenhäusern wollen wir daran arbeiten, die Schnittstellen zwischen den Systemen zu verbessern. So setzen wir zum Beispiel Telemetrielösungen ein, um Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden und die Behandlungsdauer insgesamt zu verkürzen. Außerdem engagieren wir uns in mehreren Projekten der intersektoralen Versorgung, also der koordinierten, fachdienstübergreifenden Zusammenarbeit. Das Ziel ist dabei die optimale Übergabe des Patienten zwischen Rettungsdienst und Krankenhaus – eine nahtlose Versorgung entlang der gesamten Rettungskette. Im Mittelpunkt stehen dabei auch in Zukunft das Wohl unserer Patienten und die Bereitstellung aller Ressourcen zur optimalen Versorgung bei einem Notfall.

Buchtipp

Die Studie wurde von der RKiSH herausgegeben. Sie enthält aussagekräftiges Datenmaterial für alle Akteure im Gesundheitswesen. Bestellbar auch in der RKiSH Geschäftsstelle, Esmarchstraße 50, 25746 Heide, sowie unter 0481.7852805 und info@rkish.de.

  • Autor: Michael Scheffler
  • Titel: Der Rettungsdienst in Schleswig-Holstein im Jahr 2025. Die Herausforderungen des demografischen und strukturellen Wandels mit den Auswirkungen auf Kosten, Leistungen und Personal anhand einer Modellrechnung der RKiSH gGmbH
  • ISBN: 978-3-00-046262-7
  • Preis: 29,90 Euro

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