Das Motto heißt: Zusammenarbeit

Das Gesundheitswesen verändert sich. Das bietet Chancen. Um die Patienten in Zukunft gut versorgen zu können, müssen alle Akteure enger zusammenarbeiten. Als Teil des Systems steht auch der Rettungsdienst vor neuen Herausforderungen.

Die Zukunft bringt Veränderungen – und hat bereits begonnen. Die demografische Entwicklung fordert neue Ansätze, um eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen. Und die Budgets setzen immer engere Grenzen. Die beteiligten Akteure im Gesundheitswesen wie niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser, Rehakliniken und Pflegeheime werden in Zukunft noch enger zusammenarbeiten müssen.

Kommunikation und Management

Wir sind überzeugt, dass dabei dem Rettungsdienst eine entscheidende Rolle zukommt. Er ist das Bindeglied zwischen allen diesen Bereichen. Wenn hier die Qualität nicht stimmt, ist das ganze Konzept gefährdet – wie bei einer Kette, die am schwächsten Glied bricht. Die RKiSH stellt sich aktiv diesen Herausforderungen. Mit neuen Aus- und Fortbildungsprogrammen, Trainings und verbesserter Technik bereiten wir unsere Kollegen auf die Anforderungen vor.

Um durchgängig hohe Qualität zu gewährleisten, sind vor allem zwei Dinge notwendig: gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten und durchdachtes Überleitungsmanagement. Dadurch lassen sich Fehldiagnosen, Doppeluntersuchungen oder Mehrfachbehandlungen vermeiden. Das kommt dem Patienten zugute und entlastet die Krankenkassen. Die RKiSH spricht mit verschiedenen Akteuren zu diesem Thema. Außerdem engagiert sie sich in zwei Projekten dieser intersektoralen Versorgung, um die Abläufe im Sinne der Patienten zu verbessern: ITLS und FITT-STEMI.

Modell: Rettungsdienst 2025

ITLS: Traumaversorgung nach strengen Standards

Unfallszenarien mit Schwerverletzten sind auch für erfahrene Rettungskräfte eine große Herausforderung. Gerade hier kommt es auf jede Minute an, denn bei Menschen mit mehreren Verletzungen kann schon der Blutverlust innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Es ist aber nicht nur entscheidend, dass der Verletzte so schnell wie möglich in die richtige Klinik gebracht wird. Auch und gerade eine exzellente präklinische Versorgung kann Behinderungen nach Unfällen reduzieren oder sogar Leben retten. Genau dafür wurde der Lehrgang International Trauma Life Support (ITLS) entwickelt. Er soll Rettungskräfte und Notärzte bei ihrer Arbeit unterstützen.

Seit 2010 nehmen alle Rettungsassistenten der RKiSH an einer ITLS-Fortbildung teil. Dabei trainieren sie, wie sie Patienten auch in Stresssituationen immer nach der gleichen festen Struktur untersuchen und behandeln – ohne Wichtiges zu übersehen. Das optimiert die Versorgung und gibt gerade jüngeren Kollegen mit weniger Routine am Unfallort mehr Sicherheit.

Schneller und effizienter

Unsere Evaluation stützt diese Strategie: Seit der Einführung der strukturierten Traumaversorgung konnte die Zeitspanne vom Unfall bis zum Eintreffen in der Klinik um durchschnittlich 20 Prozent gesenkt werden: von 90 auf 72 Minuten. Damit ist die Versorgung selbst in den ländlichen Gebieten genauso schnell wie im Bundesdurchschnitt. Zudem wird die Zusammenarbeit mit den Kliniken einfacher. Eine gemeinsame Fachsprache und standardisierte Abläufe verhindern Missverständnisse, die Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen funktioniert besser.

FITT-STEMI: Bessere Chancen bei Herzinfarkt

Auch bei Herzinfarkten ist Zeit der entscheidende Faktor. Aber gerade in ländlichen Regionen kann der Weg zum nächsten Herzkatheterlabor lang sein. Um die Situation für die Patienten in Schleswig-Holstein zu verbessern, haben sich die RKiSH und die Regioklinik in Pinneberg als erste im Bundesland dem Netzwerk FITT-STEMI (Feedback Intervention and Treatment Times in ST-Elevation Myocardial Infarction) angeschlossen.

In diesem Projekt schreiben Notarzt oder Rettungsassistent am Einsatzort wie bisher ein 12-Kanal-EKG. Wenn sie dabei einen Herzinfarkt feststellen, informieren sie nun aber umgehend noch vom Einsatzort aus das Katheterlabor. Die Klinik kann sich frühzeitig sowohl technisch als auch personell auf den Patienten vorbereiten. Der Patient wird nicht mehr zunächst an die Notaufnahme übergeben, sondern direkt der Behandlung zugeführt. Die schnelle Stabilisierung des Patienten durch den Rettungsdienst und die schnelle Beseitigung des Gefäßverschlusses in der Klinik ist das Ziel.

Mehr als eine halbe Stunde gewonnen

Durch dieses Verfahren entsteht ein entscheidender Zeitgewinn. Statt zwei Stunden wie im Bundesdurchschnitt dauert es mit FITT-STEMI im Durchschnitt nur noch 81 Minuten vom ersten Kontakt mit dem Rettungsteam bis zur Behandlung im Krankenhaus. Die frühe Diagnose durch den Rettungsdienst, der direkte Draht zur Klinik und der damit verbundene Zeitgewinn verbessern die Überlebenschancen der Patienten erheblich. Es ist eine Behandlung ohne Umwege. Im Vergleich dazu haben Patienten, die sich selbst ins Krankenhaus begeben, einen deutlichen Nachteil.

Gleichzeitig verbessern sich durch FITT-STEMI auch die Möglichkeiten zur Qualitätssicherung, da alle Fälle vom Rettungsdienst anonym codiert werden. Diesen Code behält das Krankenhaus bei. So sind Qualitätsmanagement und Feedback über die gesamte Versorgungskette möglich.

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