Die Leitstelle

Weichenstellung für die Rettungskräfte

Nach einem Anruf in der Leitstelle fallen lebensrettende Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden. Damit das jedes Mal gelingt, arbeiten Disponenten mit moderner Technik und nach neuen Erkenntnissen der Teamführung.

Wer den Notruf 112 wählt, wird mit der zuständigen kooperativen Regionalleitstelle verbunden. Im Gebiet der Rettungsdienst-Kooperation sind es drei: Die Integrierte Regionalleitstelle Mitte in Kiel ist unter anderem zuständig für den Bereich Rendsburg-Eckernförde, die Integrierte Leitstelle Holstein in Norderstedt ist unter anderem zuständig für den Kreis Segeberg sowie die Kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn für die Kreise Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg.

In einer Leitstelle arbeiten die Teams im Schichtdienst, um an 365 Tagen rund um die Uhr Notrufe annehmen zu können. Sie bestehen aus mindestens drei Disponenten und einem Operativ-taktischen Leiter. Ihre Arbeit ist geprägt von Zeitdruck und Komplexität: Oft müssen sie innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen über lebensrettende Maßnahmen treffen. Die Zusammenarbeit orientiert sich an Methoden des Crew-Resource-Managements, wie sie auch bei OP-Teams und Flugzeugbesatzungen zum Einsatz kommen. Unter Zeitdruck muss sich jeder auf jeden verlassen können. Besondere Achtsamkeit zum Erkennen und Vermeiden von Fehlern kennzeichnet die Arbeit.

Mehrmonatige Spezialausbildung für Disponenten

Disponenten nehmen Anrufer entgegen, fragen medizinische Daten strukturiert ab und entscheiden über die zu ergreifenden Maßnahmen. Sie sind ausgebildete Notfallsanitäter und Rettungsassistenten mit mindestens drei Jahren praktischer Berufserfahrung. Zusätzlich erhalten angehende Disponenten eine mehrmonatige Zusatzausbildung. Von erfahrenen Praxisanleitern lernen sie unter anderem die Kommunikation mit Anrufern und den Umgang mit den technischen Notrufsystemen.Weil Disponenten gute Ortskenntnisse haben müssen, besichtigen sie während der Ausbildung neuralgische Punkte im Einsatzgebiet. Das sind zum Beispiel das Kraftwerk Brokdorf, der Nord-Ostsee-Kanal und Touristengebiete wie Friedrichskoog und das Büsumer Hafenbecken. So haben sie in kritischen Situationen eine Vorstellung vom Einsatzort und können richtige Entscheidungen treffen.

Der Operativ-taktische Leiter behält die Lage im Blick

Der Operativ-taktische Leiter behält auch den vorausschauenden Überblick über die Gesamtlage. Sind zum Beispiel Sturm oder Hochwasser angekündigt, kann er in den gefährdeten Gebieten Rettungsfahrzeuge zusammenziehen. Bei Großereignissen wie dem Wacken Open Air hält er Kontakt zu der örtlichen Einsatzleitung.

Bis zu 20 Disponenten im Einsatz

Die Leitstellen sind immer mit ausreichend Disponenten besetzt, sodass auch mehrere Anrufer gleichzeitig Hilfe bekommen. Der Operativ-taktische Leiter kann sein Team auf bis zu 20 Disponenten aufstocken, um an kritischen Tagen wie Silvester oder bei Unwettern für ein besonders großes Einsatzaufkommen gerüstet zu sein.

3 Fragen an

Stephan Bandlow

Leiter der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn

Was zeichnet die Arbeit in der Leitstelle aus?

Wichtig sind standardisierte organisatorische Abläufe und die ständige Fortbildung unserer Disponenten. Oft müssen sie praktisch gleichzeitig den Anrufer beruhigen, eine erste Verdachtsdiagnose stellen und die in diesem Fall am besten geeigneten Hilfskräfte losschicken. Das erfordert eine Menge Fachwissen, aber auch sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung im Umgang mit Menschen in Extremsituationen.

Welche Rolle spielt die Technik?

Wir können jederzeit per GPS-Ortung sehen, welcher Rettungswagen den kürzesten Weg zum Einsatzort hat. Ein Tablet-Computer unterstützt unsere Disponenten im Gespräch, beim Stellen der richtigen Fragen und bei der telefonischen Anleitung zur Ersten-Hilfe. Trotz aller Technik: Am Ende entscheidet immer der Mensch mit seinem Wissen und seiner Erfahrung.

Wohin geht die technische Entwicklung?

Die Technik entwickelt sich immer schneller weiter: Seit 2019 hilft uns das so genannte AML, Personen über ihr Mobiltelefon im Notruf gezielt per GPS zu orten und so Eintreffzeiten zu verkürzen. Zukünftige Entwicklungen zielen darauf ab, das Internet of Things in die Leitstelle zu bringen; Messwerte aus vernetzten Sportuhren, Implantaten oder Sensoren in „smarten Häusern“ schlagen automatisch Alarm, wenn bestimmte Schwellenwerte über- oder unterschritten werden und senden die aktuellen Gesundheitsdaten an die Leitstelle. Aber auch die digitale Vernetzung der Leitstellen und aller Akteure in der Notfallrettung z.B. in Form der Telekonsultation werden weiter fortschreiten.

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