Weichenstellung für die Rettungskräfte

Nach einem Anruf in der Leitstelle fallen lebensrettende Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden. Damit das jedes Mal gelingt, arbeiten Disponenten mit moderner Technik und nach neuen Erkenntnissen der Teamführung.

Bis zu 20 Disponenten im Einsatz

Die Leitstellen sind immer mit ausreichend Disponenten besetzt, sodass auch mehrere Anrufer gleichzeitig Hilfe bekommen. Der Operativ-taktische Leiter kann sein Team auf bis zu 20 Disponenten aufstocken, um an kritischen Tagen wie Silvester oder bei Unwettern für ein besonders großes Einsatzaufkommen gerüstet zu sein.

Bilderstrecke: Die Leitstelle

3 Fragen an

Stephan Bandlow

Leiter der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn

Was zeichnet die Arbeit in der Leitstelle aus?

Wichtig sind standardisierte technische Abläufe und die große Erfahrung unserer Disponenten. Oft müssen sie praktisch gleichzeitig den Anrufer beruhigen, eine erste Verdachtsdiagnose stellen und die am besten geeigneten Hilfskräfte losschicken. Das erfordert eine Menge Fachwissen, aber auch sehr viel Fingerspitzengefühl.

Welche Rolle spielt die Technik?

Wir können jederzeit per GPS-Ortung sehen, welcher Rettungswagen den kürzesten Weg zum Einsatzort hat. Ein Tablet-Computer unterstützt unsere Disponenten im Gespräch, beim Stellen der richtigen Fragen und bei der telefonischen Anleitung zur Ersten Hilfe. Trotz aller Technik: Am Ende entscheidet immer der Mensch mit seinem Wissen und seiner Erfahrung.

Wohin geht die technische Entwicklung?

Damit wir schnell helfen können, müssen wir schon heute den Einsatzort so genau wie möglich lokalisieren. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allen wenn uns Anrufe aus freier Natur über Mobiltelefone erreichen. In solchen Fällen wäre es hilfreich, das Smartphone der Personen gezielt per GPS zu orten. Technisch wäre das kein Problem und alle würden davon profitieren. Aber bevor es so weit ist, müssen noch viele Fragen geklärt werden – unter anderem mit den Datenschützern.

Wer den Notruf 112 wählt, wird mit der zuständigen kooperativen Regionalleitstelle verbunden. Im Gebiet der Rettungsdienst-Kooperation sind es zwei: Die Integrierte Regionalleitstelle Mitte in Kiel ist unter anderem zuständig für den Bereich Rendsburg-Eckernförde, die Kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn für die Kreise Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg.

In einer Leitstelle arbeiten die Teams im Schichtdienst, um an 365 Tagen rund um die Uhr Notrufe annehmen zu können. Sie bestehen aus mindestens drei Disponenten und einem Operativ-taktischen Leiter. Ihre Arbeit ist geprägt von Zeitdruck und Komplexität: Oft müssen sie innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen über lebensrettende Maßnahmen treffen. Die Zusammenarbeit orientiert sich an Methoden des Team-Resource-Managements, wie sie auch bei OP-Teams und Flugzeugbesatzungen zum Einsatz kommen. Unter Zeitdruck muss sich jeder auf jeden verlassen können. Besondere Achtsamkeit zum Erkennen und Vermeiden von Fehlern kennzeichnet die Arbeit.

Neun Wochen Spezialausbildung für Disponenten

Disponenten nehmen Anrufer entgegen und entscheiden über die zu ergreifenden Maßnahmen. Sie sind ausgebildete Rettungsassistenten mit mindestens drei Jahren praktischer Berufserfahrung. Zusätzlich erhalten angehende Disponenten eine neunwöchige Zusatzausbildung. Von erfahrenen Kollegen lernen sie unter anderem die strukturierte Kommunikation mit Anrufern und den Umgang mit den technischen Notrufsystemen. Weil Disponenten gute Ortskenntnisse haben müssen, besichtigen sie während der Ausbildung neuralgische Punkte im Einsatzgebiet. Das sind zum Beispiel das Kraftwerk Brokdorf, der Nord-Ostsee-Kanal und Touristengebiete wie Friedrichskoog und das Büsumer Hafenbecken. So haben sie in kritischen Situationen eine Vorstellung vom Einsatzort und können richtige Entscheidungen treffen.

Der Operativ-taktische Leiter behält die Lage im Blick

Der Operativ-taktische Leiter behält auch den vorausschauenden Überblick über die Gesamtlage. Sind zum Beispiel Sturm oder Hochwasser angekündigt, kann er in den gefährdeten Gebieten Rettungsfahrzeuge zusammenziehen. Bei Großereignissen wie dem Wacken Open Air hält er Kontakt zu der örtlichen Einsatzleitung.

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