Intensivstation auf Rädern

Mit Notfallrucksäcken können Rettungskräfte Patienten schon am Einsatzort intensivmedizinisch versorgen. An Bord werden Arzneimittel bei optimaler Temperatur aufbewahrt, damit sie richtig wirken.

Sie prägen das öffentliche Bild der Rettungsdienst-Kooperation: die Rettungswagen (RTW) und Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF). Außen mit auffälliger Farbe in Leuchtrot und Weiß – damit sie von den anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Denn bei allen Einsätzen steht die Sicherheit an erster Stelle.

3 Fragen an

Jan Noelle

Technische Entwicklung

Was zeichnet den RKiSH-Fuhrpark aus?

Wir legen großen Wert auf Sicherheit. Es sollte auch in brenzligen Situationen nicht zu Unfällen kommen. Alle Fahrzeuge sind mit einem Automatikgetriebe und einer Freisprecheinrichtung ausgestattet, damit der Fahrer beide Hände am Lenker hat. Wir haben am Heck rot-gelbe Spezialfolien aufgeklebt, damit unsere Fahrezuge besser gesehen werden. Dazu kommen besonders helle Xenon-Scheinwerfer, Licht- und Regensensoren, Abstandswarner – da ist praktisch alles drin, was heute technisch möglich ist. Gelbe Rückwärtswarner schützen unsere Besatzungen bei stehendem Fahrzeug zusätzlich zum Blaulicht.

Wie funktioniert die Kommunikation mit der Leitstelle?

Jedes Fahrzeug sendet permanent seinen Standort an die Leitstelle. Von dort wird der Einsatz direkt an das Navigationssystem gesendet. So weiß die Besatzung schon beim Einsteigen, wohin es geht. Früher gab es durch manchmal schlechte Sprachübertragung per Funk Missverständnisse. Das ist mit der neuen Technik ausgeschlossen.

Wo steht der Fuhrpark im Vergleich?

Wir gehen weit über die in Deutschland gültigen europäischen Standards hinaus. Unsere Krankentransportwagen haben es sogar unter die besten drei Projekte beim Deutschen Arbeitsschutzpreis geschafft. Was die Ergonomie unserer Fahrzeuge angeht, gehören wir zur Spitzengruppe.

Liegt kein Notfall vor, kommen auch Krankentransportwagen (KTW) zum Einsatz. Darin werden zum Beispiel nierenkranke Patienten zur Dialyse gefahren oder im Urlaub verunglückte Urlauber zurück nach Schleswig-Holstein befördert. Zur Erfrischung des Patienten gibt es in jedem Krankentransportwagen eine Kühlmöglichkeit für Getränke.

Zur Rettung verunglückter Patienten mit Knochenbrüchen sind Matratzen und Schienen mit Vakuum-Technik im Fahrzeug. Damit werden verletzte Knochen ruhig gestellt, um sie während des Transports zu schützen. Bei der Rettung aus verunglückten Fahrzeugen kommen auch ein Rettungskorsett und ein langes Wirbelsäulenbrett zum Einsatz. Sie verhindern Bewegungen der Wirbelsäule. Patienten lassen sich damit schonend aus dem Fahrzeug bewegen.

Rucksäcke für den Notfall

Die medizinische Ausstattung von Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeugen ist nahezu identisch. Alle Schubladen sind in den jeweiligen Fahrzeugtypen an der gleichen Stelle. So finden sich Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Notärzte in jedem Fahrzeug der RKiSH schnell zurecht. Die an Bord untergebrachten Notfallrucksäcke wiegen bis zu 20 Kilo und sind für lebensrettende Hilfe am Einsatzort gedacht. In jedem Fahrzeug gibt es ein Beatmungsgerät und ein EKG-Gerät mit integriertem Defibrillator – zur Überwachung des Kreislaufs und zur Behandlung bestimmter Ursachen eines Herzstillstands, etwa Herzkammerflimmern.

Apotheke an Bord

Rund 60 Medikamente sind in den Schubladen untergebracht, etwa zur Beschleunigung des Herzschlags, gegen ein Lungenödem oder zur Behandlung eines epileptischen Anfalls. Einige Mittel müssen bei längerer Aufbewahrung gekühlt werden, etwa das Hormon Adrenalin, das zum Beispiel bei einem Kreislaufstillstand zum Einsatz kommt. Es lagert deshalb in einem Kühlschrank bei 5 Grad. Infusionslösungen mit Elektrolyten und Spurenelementen dagegen werden im Wärmefach bei 37 Grad aufbewahrt, um möglichst schonend auf nahezu Körpertemperatur verabreicht werden zu können.

Fuhrpark-Fakten

Der Rettungsdienst-Kooperation gehören 72 Rettungswagen (RTW), 13 Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) und sieben Krankentransportwagen (KTW). Wegen der starken Beanspruchung im Rettungsdienst schaffen wir die Fahrgestelle für eine Nutzungsdauer von fünf Jahren an. So steht es im Eckpunktepapier, das die Krankenkassen und die Träger des Rettungsdienstes in Schleswig-Holstein vereinbart haben. Der Patientenraum (Kofferaufbau) ist voraussichtlich zehn Jahre im Einsatz. Er lässt sich abmontieren und auf einem neuen Fahrgestell befestigen.

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