Zehnter Neujahrsempfang der RKiSH

von admin

Nortorf – Es ist mittlerweile gute Tradition, dass Geschäftsführer Michael Reis alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Neujahrsempfang nach Nortorf einlädt. Seine Überwältigung über die bisher größte Resonanz bei einem Neujahrsempfang der RKiSH drückte Michael Reis bei der Eröffnung des Abends vor über 250 Gästen aus. Er empfahl der Inhaberin des Alten Landkruges spaßeshalber schon mal, für das kommende Jahr an den Saal anzubauen. „Wenn wir in Zukunft vielleicht noch mehr Mitarbeiter werden, wird es eng, aber wir fühlen uns bei Ihnen einfach wohl.“

Nach der Begrüßung seiner Gäste galten die ersten Worte von Michael Reis zwei Kollegen, die im vergangenen Jahr verstarben. Die Anwesenden schlossen sich in ehrwürdiger Stille dem Gedenken an.

Und wenn wir gehen
Gehen wir zum Himmel
Und wenn wir kommen
Kommen wir zur Erde
Und wenn wir auf der Erde straucheln
Hebst du uns auf in den Himmel
Denn Himmel und Erde sind Bruder und Schwester

Hanns Dieter Hüsch

 

 

Zahlen, Daten, Fakten aus dem Jahr 2016

Der statistische Rückblick auf die Zahlen des vergangenen Jahres durfte natürlich in der Neujahrsansprache nicht fehlen.

Seit Beginn der RKiSH ist die Mitarbeiteranzahl von 300 auf aktuell 839 angewachsen. „Drei Mitarbeiter sind älter als 65, denen gefällt es so gut, die wollen gar nicht aufhören“, schmunzelte Michael Reis. Der Anteil der weiblichen Mitarbeiterinnen liegt bei bereits 26%. „Das finde ich gut!“, so Reis weiter.

In 341 Bildungsveranstaltungen wurden im vergangenen Jahr 4.886 Teilnehmer an der RKiSH-Akademie geschult. „Der erwartete Bedarf an Notfallsanitätern kann bis 2020 durch Ausbildung und Weiterqualifizierung erreicht werden. Bis Ende 2016 haben wir bereits 308 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Notfallsanitäter weiterqualifiziert.“ beschrieb Michael Reis die Bilanz der eigenen Bildungseinrichtung am Standort Heide.

Die 2016 mit 746 weiterhin hohe Anzahl an Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz zum Notfallsanitäter bestätigt, dass die RKiSH ein attraktiver Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb ist.

Fast 150.000 Einsätze wurden 2016 durch die RKiSH geleistet. In Summe bedeutete der Zuwachs aus 2016 eine Gesamtleistung von mehr als 1,3 Mio. gefahrenen Einsätzen seit Bestehen der RKiSH. Jede Festlandwache hat die 1.000er Marke geknackt, nur auf Helgoland und in der Festivalwache Wacken sind diese Zahlen noch nicht erreicht. Der neue Schwerlast-RTW (S-RTW) von der Wache Rendsburg war seit Indienststellung bereits 107 Mal in Schleswig-Holstein im Einsatz. Bei allen Einsätzen wurden 226 Patienten befördert, deren Lebensalter über 100 Jahren lag.

„Dafür ich möchte ich Ihnen an dieser Stelle sehr herzlich, für Ihr Engagement, für Ihren Einsatz für die uns anvertrauten Menschen in der Region sehr herzlich danken und ich hoffe, Sie kommen auch 2017 immer gesund von Ihren Einsätzen zurück!“, richtete Michael Reis seine Worte an alle Mitarbeiter.

Ungefähr 250 Mal der Strecke von Westerdeichstrich nach Wladiwostok in Sibirien entsprach die Fahrleistung aller 152 Fahrzeuge der RKiSH im vergangenen Jahr. Knapp 5,5 Mio. Kilometer wurden zurückgelegt. Die höchste Einzelleistung erbrachte dabei der RTW Hohenwestedt 97-83-01 mit 90.340 km.

Eine interessante Steigerung gab es im Bereich von Social Media. Die Zahl unserer Fans bei Facebook ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Über 6.200 Menschen und Organisationen folgen unseren Aktivitäten auf dieser Plattform.

„Aber nicht alles was auf Facebook und Twitter geliked und geteilt wird ist erfreulich. Leider scheint eine zunehmende Verrohung der Sprache und Diskriminierung von Menschen an der Tagesordnung zu sein. Das ist entschieden abzulehnen und daher appelliere ich an uns an alle: Bitte vorher nachdenken und dann liken oder teilen.“ rief Michael Reis die Zuhörer deutlich auf, selbstkritisch zu sein.

Auch die Angebote des Gesundheitsmanagements fanden wieder großen Zuspruch bei den Kollegen, so dass über 1.600 Schwimmbadbesuche, 4.863 km bei 37 Wettkämpfen jeglicher Art und 18 Teilnehmer beim Angeltag gezählt wurden.

„Es ist noch nicht lange her, da habe ich Ihnen im strategischen Teil meiner Neujahrsansprache die Entwicklung von Algorithmen angekündigt. Nun haben wir bereits eine ganze Menge „auf die Straße“ gebracht und sind kurz davor, den sogenannten Pyramidenprozess vollständig umzusetzen. Die aktuelle Notarztquote liegt bei 19,79%. Eine tolle Zahl, die in Deutschland wohl einmalig ist. Das zeigt mir: Wir sind absolut auf dem richtigen Weg.“ bilanzierte der Geschäftsführer die Einführung und Umsetzung der Algorithmen in den Einsatzdienst der RKiSH.

Den Abschluss des Rückblickes bildete ebenfalls traditionsgemäß die Präsentation der neuen RKiSH-Babys. 13 mal wurden 2016 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RKiSH stolze Eltern.

Ausblick – Wo geht’s lang in 2017?

Präklinisches Casemanagement in der Zukunft?

Erwartungen im Wandel

In der persönlichen Überleitung zwischen dem Rückblick auf das vergangene Jahr und den Ausblick auf 2017 spannte Michael Reis den Bogen zwischen den besonderen Erlebnissen in seiner Familiensituation und der Verknüpfung zu den Herausforderungen einer sich verändernden Arbeitswelt.

„Ich muss mich auch immer wieder neu erfinden, aber in dem Neuen liegt, wie es der Dichter Hermann Hesse ausdrückt, auch ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Organisationsentwicklung

Die Rahmenbedingungen für die Aufgabe „Rettungsdienst“ müssen ständig weiterentwickelt werden, entsprechend der steigenden Anforderungen durch den demografischen Wandel, technische Innovationen, geänderten gesetzlichen und tariflichen Bedingungen, dem Umbau des Gesundheitswesens und weiteren Faktoren. Die Überarbeitung des Organigramms wurde kontinuierlich weiterentwickelt und war notwendig und konsequent.

Die Unternehmensziele und –philosophie der RKiSH hinsichtlich der Versorgungsqualität und Patientensicherheit, der Mitarbeiterorientierung und Bildung, der Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlichen Verantwortung werden durch die Organisationsentwicklung nicht verändert. Allerdings sind die strategischen Ziele im Zielerreichungssystem verfeinert und angepasst worden. Durch ein engeres Controlling und standardisiertes Berichtswesen können die strategischen Ziele nun transparenter und effektiver mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommuniziert werden.

Die RKiSH im Wandel

In der Sitzung am 08.12.2016 hat der Segeberger Kreistag folgenden Beschluss gefasst:

Die Rechtsfolgenwirkungen der Kündigungen vom 16.11.2007 der Verträge mit den bisherigen Leistungserbringern im öffentlichen Rettungsdienst sind fristgerecht zum 31.12.2018 auszulösen. Die Verwaltung wird damit beauftragt, entsprechende Verhandlungen zum Beitritt zu der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein gGmbH (RKiSH) aufzunehmen.

Dies bedeutet, dass der Kreis Segeberg die Verträge mit den jetzigen Leistungserbringern zum 31.12.2018 gekündigt hat. Gleichzeitig werden mit der RKiSH Gespräche geführt mit dem Ziel, zum 01.01.2019 als 5. Gesellschafter der RKiSH beizutreten.

„Wir sind uns dieser großen Verantwortung sehr bewusst und sehen dies auch als eine Bestätigung unserer gemeinsamen Arbeit in der RKiSH. Wir freuen uns auf die Aufgabe und die neuen Kolleginnen und Kollegen.“ betonte Michael Reis die nun vor der RKiSH liegende Aufgabe.

Neue Entgeltordnung

Viel hat sich in den letzten 25 Jahren im Rettungsdienst verändert und viel wird sich auch in Zukunft verändern. Mit dem Notfallsanitätergesetz ist ein bedeutender Meilenstein in der Berufsentwicklung gelungen und wird das Berufsbild aufwerten und dem Rettungsdienst einen festen Platz in der Daseinsvorsorge und Gesundheitsversorgung in unserem Land einräumen. So ist es folgerichtig gefordert, dass der neue Beruf auch eine tarifliche Aufwertung bekommt.

„Die Tarifvertragsparteien orientieren sich bei der zukünftigen Vergütung der Notfallsanitäter dabei an der Entgeltstufe 8 in Anlehnung an den Tarifvertrag Pflege. Damit sind die Gesundheitsberufe neu geordnet: Notfallsanitäter und Krankenpflege begegnen sich tariflich auf „Augenhöhe“. Und das ist gut so.“ erklärte der Geschäftsführer die grobe Struktur der neuen Entgeltordnung.

Die letzten tarifrechtlichen Hürden bei der Umsetzung der Eingruppierung der Notfallsanitäter müssen jetzt noch gemeinsam mit dem kommunalen Arbeitgeberverband und dem Betriebsrat überwunden werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die letzten offenen Punkte in unserem und Ihrem Sinne werden lösen können.“, so Michael Reis weiter.

Strategiekonzept

Präklinisches Casemanagement

Bei vielen Hilfesuchenden, die den Notruf 112 wählen, besteht keine Lebensgefahr oder Gefahr schwerwiegender gesundheitlicher Schäden. Dennoch benötigen diese Menschen Hilfe, etwa weil eine medizinische Abklärung erforderlich ist, pflegerische oder psychosoziale Probleme bestehen oder auch nur Beistand nötig ist. Die RKiSH sieht es als ihren Auftrag in der Daseinsvorsorge, Hilfe auch in subjektiven Notlagen zu leisten. Zugleich muss sie aber die Ressourcen für objektiv indizierte Notfälle sicherstellen. Diese Herausforderung ist nur zu lösen, indem der Rettungsdienst weiterentwickelt und neu gedacht wird.

Eine Lösungsidee liegt in dem Präklinischen Casemanagement. Ein speziell geschulter Notfallsanitäter sucht die Anrufer mit einem Akut-Telemobil auf, er wird telemedizinisch unterstützt durch einen Arzt bei komplexen medizinischen Abwägungen und der Entscheidung über die Weiterversorgung. Das Akut-Telemobil verfügt neben einer medizinischen Basisausstattung über ein Mini-Labor, sowie eine Telemetrieeinheit für das Monitoring und die mobile Videoübertragung.

Auch für die RTW soll die Möglichkeit der Telekonsultation etabliert werden. Die Notfallsanitäter sind Partner und Berater des Patienten, der Angehören und der Pflegekräfte durch Information, Aufklärung, Transparenz und Einbindung. Gegebenenfalls nehmen sie auch Kontakt auf zu weiteren Angeboten der medizinischen Versorgung oder psycho-sozialen sowie pflegerischen Unterstützung.

Telekonsultation

Telekonsultation funktioniert schon heute. Sowohl technisch zuverlässig, medizinisch sinnvoll und auch juristisch abgesichert gibt es in Aachen ein Telenotarztsystem. Ein speziell geschulter Notarzt in der Telekonsultationszentrale steht mit dem Rettungsdienst in telefonischem Kontakt, sieht alle Monitordaten des Patienten und kann zusätzlich per Videoübertragung die Situation sehen.

„Entscheidend ist jedoch nicht technische Machbarkeit und vielleicht auch Faszination. Entscheidend ist der Nutzen für den Patienten und damit auch für das Personal. Ärztliche Expertise wird für jeden Patienten unmittelbar verfügbar, das Personal kann sich durch eine Zweitmeinung vergewissern, Freigaben einholen und komplexe Abwägungen in Absprache treffen.“ beschrieb Michael Reis den Sinn in diesem zukunftsfähigen und innovativen Lösungsansatz. Wichtig ist dabei der Blick auf die größten Herausforderungen im Einsatzgeschehen. „Diese liegt nicht in den spektakulären und eindeutigen Notfallszenarien, sondern bei den älteren, multimorbiden und multimedikamentierten Patienten.“ so Reis in den Ausführungen.

„Mehr vom Gleichen“ kann also nicht die Antwort auf die steigenden Einsatzzahlen sein.“, erklärte der Geschäftsführer. Nur der differenzierte Blick auf die Bedürfnisse der Patienten wird einen Weg aufzeigen, wie die Ressourcen so eingesetzt werden können, dass der einzelne Hilfesuchende profitiert, aber auch die Vorhaltung gewährleistet bleibt.

Der Krankentransport ist dabei eine weitere wesentliche Entlastung der RTW. Die Arbeit am Patienten nach Algorithmen ist etabliert, als wesentliches Element fehlt aber die digitale Dokumentation. Nur durch sie kann die Erweiterung der Kompetenzen auch durch eine Qualitätssicherung begleitet werden. Auch die Aufnahmeprozeduren in den Kliniken durch Priorisierung der Patienten muss als Teil eines durchgehenden Prozesses verstanden werden, um die gesamte Phase der Stabilisierung und Abwendung unmittelbarer Gefahren bis zur definitiven Therapie zu optimieren.

In einer sich spezialisierenden und zentralisierenden Krankenhauslandschaft wird der Entscheidung für das geeignete Krankenhaus eine größere Bedeutung zukommen. Auch ambulante, pflegerische und psychosoziale Hilfen müssen im präklinischen Casemanagement erwogen werden.

Dort wo regional eine Auswahl besteht, ist aber zukünftig auch zu unterscheiden, ob der jeweilige Patient in ein Haus der Grund- und Regelversorgung gebracht werden kann und so die Kapazitäten einer Notaufnahme der höheren Versorgungsstufe freigehalten werden können.

„Wir haben die Verantwortung, unseren Teil dazu beizutragen, dass das System der Daseinsvorsorge auch in Zukunft noch sein Versprechen einhalten kann, jedem Bürger gleichermaßen Sicherheit zu bieten. Es wird unsere Aufgabe sein, mit den Partnern diese Vision zu entwickeln und Gesundheitspolitik zu gestalten.“ schloss Geschäftsführer Reis seinen visionären Ausblick.

Professionelles Selbstverständnis

„Wenn wir heute schauen, was von uns im Rahmen der präklinischen Notfallmedizin und im qualifizierten Krankentransport erwartet wird, ist es an der Zeit, ein starkes professionelles Selbstverständnis öffentlich zu zeigen, auch um zu verdeutlichen, dass Rettungsdienst in der Daseinsvorsorge und im Gesundheitswesen eine wichtige Säule darstellt.“ beschrieb Michael Reis die sich im Wandel befindlichen eigenen Erwartungen und die Erwartungen an uns.

Professionelles Selbstverständnis ist dabei ausgezeichnet von Fachkenntnissen, Wissensmanagement und Problemlösungsideen. Unerlässlich ist es dabei, die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten von Patienten oder Mitarbeitern anderen Institutionen zu respektieren und zu akzeptieren. „Professionelles Selbstverständnis heißt insbesondere auch, Grenzen zu erkennen.“ unterstrich Geschäftsführer Reis die Bedeutung dieses Ziels, an dem zukünftig gemeinsam gearbeitet werden soll, um es auch gemeinsam zu erreichen.

Als Lösungsansatz für die Entwicklung des professionellen Selbstverständnisses gab Michael Reis den bis zum Schluss gespannt zuhörenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die alte Indianerweisheit „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht!“ mit auf den Weg.

(cm/tfr)

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