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Wacken im Wandel der Zeit ... 13 Jahre RKiSH beim größten Heavy-Metal Festival der Welt

von Christan Mandel

Wacken - Vom 3. bis 5. August 2017 öffnete das Wacken Open Air zum 28. Mal das riesige Festivalgelände in dem sonst eher beschaulichen, kleinen Ort im Kreis Steinburg. Aus Sicht der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) gGmbH bedeutet dies jährlich eine große Aufgabe, die Notfallrettung in der dann drittgrößten Stadt Schleswig-Holsteins mit gut 120.000 Einwohnern sicherzustellen, denn das Tagesgeschäft für die anderen Einwohner des Kreises Steinburg läuft normal weiter. Grund genug, einmal einen Blick auf 13 Jahre Wacken Open Air mit der RKiSH und noch ein wenig weiter zurück zu werfen.

Die Fans feiern vor den Hauptbühnen

Auch in diesem Jahr feierten wieder 75.000 Besucher ausgelassen zur Musik von gut 150 verschiedenen Bands bei gelegentlich wiederkehrendem und teilweise starkregenartigem Niederschlag. Wie immer war dadurch aber kein negativer Einfluss auf die tolle Stimmung des Festivals spürbar. „Flüssiger Sonnenschein“ ist der Fachbegriff für dieses speziell norddeutsche Wetter. Innerhalb der weltweiten Metalszene stellt Wacken jedes Jahr ein Highlight dar, nicht ohne Grund ist eines der bekanntesten Festivalmottos: See you in Wacken - Rain or Shine. Zusätzlich zu den schon erwähnten Fans sind viele VIP-Gäste, unzählige Tagesbesucher und viele Interessierte im Ortskern zum Feiern zu Gast in Wacken. Über 20.000 Mitarbeiter aller Gewerke sind an der reibungslosen Durchführung zum Wohl und zur Sicherheit der Fans beteiligt.

Auf gut 260 Hektar Gesamtfläche spielt sich das alljährliche Festival ab, bei dem allein für die Bühne 65 Sattelzüge mit Material (entspricht einer Masse von ca. 1.000 Tonnen) zum Einsatz kommen. In den letzten Jahren wurden etliche Abwasseranlagen und Drainagen verbaut, um einen besseren Regenabfluss zu gewährleisten. Die Bierpipeline feierte dieses Jahr ihre Premiere, um den Transport unendlicher Fässermengen zu vermeiden und damit den sowieso schwer beanspruchten „Holy Ground“ nicht weiter zu schädigen. Zudem wurden die wichtigsten Wege mit Schwerlaststraßenbaumaterial befestigt, um den Rettungs- und Zulieferfahrzeugen einen gesicherten Fahrweg zu gewährleisten. Dies ist eine sehr gute Investition in die Infrastruktur für den Rettungs- und Sanitätsdienst vor Ort.

Für den sicheren Verlauf werden für das Metalfestival jedes Jahr Extrakapazitäten benötigt, um eine komplette RKiSH-Rettungswache direkt vor Ort betreiben zu können. Dieses Jahr sind es zehn Rettungswagen (RTW) und zwei Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF), die von insgesamt 140 Kollegen der RKiSH besetzt werden. Dauerhaft unterstützen ein RTW vom DRK Heide und bis zu zwei RTW vom DRK Kaltenkirchen unser Team. An mehreren dezentralen Unfallhilfsstellen im ganzen Gelände und im zentralen Behandlungszelt sorgen gut 500 ehrenamtliche Mitarbeiter zahlreicher Hilfsorganisationen unter Leitung des DRK Kaltenkirchen für die Gesundheit und Behandlung der Besucher. Zwei separate Leitstellen-Arbeitsplätze werden direkt in der Einsatzleitung in Wacken eingerichtet, um die vielen Rettungskräfte zielgerichtet zu koordinieren.

Andreas John, Notfallsanitäter bei der RKiSH

Im Gespräch erinnert sich Andreas Kay John, Notfallsanitäter bei der RKiSH, an seine Anfänge in Wacken. Er war selbst bei dem ersten Festival 1990 ehrenamtlich dabei, damals noch mit weniger als 800 Gästen in der sog. Kuhle: „Ich bin jedes Jahr dabei, es bringt einfach Spaß. Seit den letzten Jahren hat sich die Organisation aus rettungsdienstlicher Sicht deutlich verbessert: Technisch wie strategisch.“ Der Einsatz auf dem W:O:A ist für Andreas eine willkommene Abwechslung zum normalen Dienst.

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Krey, Notfallsanitäter bei der RKiSH und Camp-Manager

Tatsächlich wurden in den letzten Jahren viele Erkenntnisse und Erfahrungen genutzt, um die gesamte Organisation der Einsatzkräfte besser zu koordinieren. So ist mittlerweile fast jeder Fleck des „Holy Grounds“ mit Breitband und W-LAN versorgt. Daran war vor einigen Jahren noch nicht zu denken, berichtet Andreas Krey, der als Notfallsanitäter und Camp-Manager die Technik im SanCamp fest im Griff hat. „Pauschal ist in jedem Jahr mehr zu organisieren und zu planen. Über die Jahre hat sich vieles allerdings „eingespielt“, sodass man die Ansprechpartner und Verantwortlichen gut kennt. Das erleichtert die Arbeit erheblich, da man sich gegenseitig vertraut – eine Hand wäscht die andere. Wacken lässt sich nicht am Schreibtisch organisieren, dieses Festival lebt durch persönliche Gespräche vor Ort“ so Krey.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst des DRK Kaltenkirchen hat sich in den letzten 13 Jahren zu einem harmonischen und freundschaftlichen Verhältnis entwickelt, erzählt Dr. med. Sandu Deunert, der seit 13 Jahren als ärztlicher Leiter des DRK die Fäden in der Hand hält. Reagiert hat der Sanitätsdienst auch auf die verschiedensten Wetterverhältnisse; so befinden sich in diesem Jahr neben zahlreichen geländegängigen Fahrzeugen erstmals auch zwei All-Terrain-Amphibienfahrzeuge in der Nutzung der Einsatzkräfte.

Jürgen Schumacher, 1. Vorsitzender DRK Kaltenkirchen und Dr. med. Sandu Deunert, ÄL DRK Kaltenkirchen

Zusammengefasst hat sich jede Menge getan im letzten Jahrzehnt. Nicht nur das Festival an sich, sondern auch die medizinische Versorgung, die Infrastruktur und die technischen Hilfsmittel sind enorm gewachsen. Auch in diesem Jahr können die Einsatzkräfte allerdings ein durchweg positives Resümee ziehen. Bei 240 Rettungsdiensteinsätzen war dieses Festivaljahr in Wacken nicht nur wieder einmal sehr friedlich, es blieb meistens auch bei kleineren Blessuren, welche vor Ort ambulant behandelt werden konnten.

Auch in den kommenden Jahren wird sich das Festival stetig weiterentwickeln. Noch mehr Besucher sollen es zwar nicht werden, aber der Veranstalter hat kürzlich in einem Interview viele Ideen angekündigt, wie das W:O:A noch besser, interessanter und vielfältiger werden soll. Wir dürfen gespannt sein, was sich da alles tun wird. Schon in zwei Jahren wird das 30jährige Jubiläum gefeiert! Ganz sicher bleibt auch in den nächsten 30 Jahren die sonst kleine Gemeinde Wacken für Metalfans aus aller Welt zumindest für ein paar Tage deren Mittelpunkt – Rain or Shine!

Zwei Mediziner berichten, was sie beim W:O:A so alles erlebt haben und warum sie immer wieder gerne dabei sind:

Dr. med. Ute "Schnatti" Fetzner

Dr. med. Ute Fetzner ist als Fachärztin für Anästhesiologie im Klinikum Itzehoe angestellt, fährt aber auch seit 2003 regelmäßig als Notärztin im Holy Wacken Land.

„Die Kontrollen sind insgesamt viel schärfer, was ich aber nicht verkehrt finde. Deutlich verbessert haben sich zum Beispiel die Zufahrtswege – die Verpflegung ist bei allen Veränderungen wie immer spitze!“

Besonders spannend findet sie in Wacken die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Rettungsdiensten und Sanitätskräften aus dem In- und Ausland, die teilweise auch nach anderen Standards arbeiten. „So kann man auch mal über den Tellerrand schauen“. Die Zusammenarbeit und Kommunikation unter den Einsatzkräften läuft hervorragend, aber auch die Besucher bzw. Ersthelfer werden von Ute „Schnatti“ Fetzner in den höchsten Tönen gelobt. Ob Besucher, Security, Sanitäter oder Notarzt: Jeder packt mit an und gibt alles, um den Verletzten zu helfen, so gut es nur geht. Eine kleine Kritik hat sie dann aber doch: Das Wetter spielt in Wacken eben nicht immer mit, teilweise fehlt es hier und da noch an Licht oder Heizungen, aber solche Verbesserungsvorschläge nehmen die Verantwortlichen auf; sie lassen sich Stück für Stück immer weiter umsetzen.

Angelika und Richard Wrage, die sich übrigens auch auf einem Sanitätsdienst kennengelernt haben – aber vor der Wacken-Ära.

Richard Wrage war lange Zeit Bereitschaftsleiter der DRK Bereitschaft Itzehoe und ist vom ersten W:O:A an dienstlich dabei. Mit inzwischen 68 Jahren ist es ihm dennoch bis heute nicht langweilig geworden. Was hat sich seiner Meinung nach zwischen dem ersten und dem 28. Festival verändert? „Ein einziges SG 20-Zelt und 4 Leute mit einem KTW reichten damals aus, um alle Hilfeersuchen in der Kuhle abzufertigen. Bei ca. 500 Besuchern war aber nicht viel zu tun. Als nach ein paar Jahren das Festival größer und die Kuhle zu klein wurde, zog die Bühne um. Seit dem wurde das Festival stetig größer.“ Entsprechend musste dann natürlich auch das Sanitätspersonal aufgestockt werden. Richard hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. „Wir hatten aber damals schon alles an Verletzungsmustern, was es heute auch gibt, nur eben nicht in der Masse, die kam erst mit den wachsenden Besucherströmen“.

Bis 2004 war Richard Gesamteinsatzleiter der medizinischen Versorgung vor Ort, seitdem fährt er jedes Jahr in Wacken RTW. „Panzerplatten haben wir früher in Eigenregie gelegt, damit wir unsere Zelte überhaupt erreichen konnten“. Während die Aufteilung des Geländes jetzt jedes Jahr im Wesentlichen identisch ist, war der Aufbau früher jedes Jahr anders und wurde immer wieder den Besucherzahlen und Erfordernissen angepasst. „Ab dem fünften oder sechsten Jahr hatten wir dann auch erstmals einen eigenen Notarzt vor Ort“, weiß Richard zu berichten. Heute sind rund um die Uhr mehrere Notärzte mit NEF und Quads auf dem Gelände unterwegs, außerdem ist ausreichend ärztliches Personal im SanCamp im Dienst. Dazu kommt noch der LNA und ÄLRD der RKiSH.

Teilweise gab es in den frühen Jahren auch krasse Erlebnisse, an die Richard sich gut erinnern kann. Zu einem Auftritt der damals sehr umstrittenen Böhsen Onkelz musste erstmals eine Polizeihundertschaft anrücken, um das Festival zu sichern. Eine andere Band aus England hatte Massen von Kondomen von der Bühne ins Publikum geworfen. Darunter auch ein goldenes Kondom. Wer das auffing, durfte die attraktive Sängerin hinter der Bühne „besuchen“ – heute kaum noch vorstellbar, damals aber Auslöser eines mittelschweren Tumultes in Wacken.

Alles in allem ist Richard ein absoluter Wacken-Veteran, der auch in den nächsten Jahren seinen festen Platz im Dienstplan haben und alle Veränderungen aufmerksam beobachten wird. Was die Zukunft bringt? “Ich hoffe, dass die Wacken-Veranstalter weiterhin so viel Erfolg haben und dass die Festivals schnell ausverkauft sind. Es wäre schade, wenn das Geschäft irgendwann mal einbricht. Es macht hier einfach Spaß und die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern war immer hervorragend und ist es bis heute“ sagt Richard.

(sh/cz/lm/cm)

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