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Technische und örtliche Einsatzleitung beim Wacken Open Air - Eine organisatorische Herausforderung

von Stefan Preuß

Wacken - Wie jedes Jahr startet der August in Wacken mit dem weltgrößten Heavy-Metal Festival, dem Wacken Open Air (W:O:A). Dies ist nicht nur für die Einwohner, sondern auch für alle Einsatzkräfte eine besondere Situation. Mit gut 75.000 Gästen aus aller Welt wird aus der sonst beschaulichen 1.800-Seelen-Gemeinde Wacken für diese Zeit mit über 100.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins.

Aber ganz ohne Matsch geht es auch nicht. Die Fans sind erfinderisch!

Das 29. Wacken Open Air startet in diesem Jahrhundertsommer mit sehr viel Sonnenschein. Gäste und Veranstalter werden durch die besonderen Wetterbedingungen stark gefordert. Dieses Jahr ist es nicht der Matsch, sondern die brütende Hitze, die alle Beteiligten sprichwörtlich zum Schwitzen bringt. Die Stimmung ist absolut ausgelassen und entspannt.

Doch nicht nur das Wetter ist für alle BOS-Kräfte (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) eine besondere Herausforderung. Das anfallende Einsatzaufkommen bei einer Veranstaltung der Wackener Größenordnung führt zwangsweise zu einem erhöhten Kommunikationsbedarf zwischen den einzelnen Behörden. Die Einsätze haben eine andere Struktur und es gibt mehr organisationsübergreifende Absprachen.

Zusammenarbeit zwischen OrgL und Leitstelle in der TEL

 

Damit der Ablauf aus Sicht des ehrenamtlichen Sanitäts- und des hauptamtlichen Rettungsdienstes so reibungslos wie möglich verläuft, gibt es vor Ort die technische und örtliche Einsatzleitung.

Von der technischen Einsatzleitung (TEL) werden alle Einsätze für die Helfer vor Ort durch einen Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) koordiniert und von den Leitstellendisponenten weiterbearbeitet. Der Sanitätsdienst wird seit vielen Jahren vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) Kaltenkirchen durchgeführt. Einsätze, bei denen ein Transport ins Krankenhaus nötig ist, werden von den Rettungswagen (RTW) und Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein gGmbH (RKiSH) übernommen.

Die örtliche Einsatzleitung (ÖEL) ist die Stelle, an der die Fäden für den Rettungsdienst, die Feuerwehr und die Polizei zusammenlaufen. Die Fachdienste arbeiten Hand in Hand und ermöglichen so eine optimale Bearbeitung des Tagesgeschäftes aber auch möglicher Großschadenslagen beim Festival. Für die RKiSH sitzt ein weiterer OrgL in der ÖEL.

Notrufe aus Wacken und Umgebung landen, wie jeder andere telefonische Notruf auch, zunächst in der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn. Dort werden die Gespräche angenommen und direkt an die beiden in Wacken sitzenden Disponenten weitergeleitet. Sie haben in der TEL zwei Leitstellenarbeitsplätze und schicken von dort aus den Sanitätsdienst oder einen Rettungswagen direkt zu dem Einsatzort. Das Einsatzgebiet umfasst nicht nur das Festivalgelände, sondern auch alle umliegenden Gemeinden.

Am Einsatzort wird dann entschieden, ob der Patient in das Sanitätszelt des DRK auf dem Gelände oder direkt in ein Krankenhaus gebracht wird. Neben dem großen Behandlungszelt besetzt das DRK auch mehrere Unfallhilfestellen auf dem Gelände, an denen die Festival-Besucher sofort Hilfe bekommen können.

Einsatzfahrzeuge vor dem „Krankenhaus Wacken“

Die Rettungswagen werden von insgesamt 140 Mitarbeitern der RKiSH besetzt. Auf zwei weiteren RTW arbeiten Mitarbeiter des DRKs. Im Sanitätszelt finden sich viele freiwillige Helfer, vom Rettungshelfer über Intensivpfleger bis zum Arzt, und das aus dem ganzen Bundesgebiet. Knapp 600 Personen machen hier den Dienst in verschiedensten Schichten.

Der OrgL bei der Arbeit in der ÖEL.

Im Regelbetrieb des Festivals spielt rettungsmedizinisch in der technischen Einsatzleitung die „Musik“. Sie fungiert wie eine ausgelagerte Leitstelle, die nur für das Wacken Open Air zuständig ist. Der Rettungs- und Sanitätsdienst wird von hier gesteuert. In der örtlichen Einsatzleitung hingegen ist es eher etwas ruhiger, sie hat eine unterstützende Funktion. Sie kümmert sich um Absprachen mit dem Veranstalter, Wetterberichte, Zufahrtsregelungen etc.

Kommt es zu einer größeren Schadenslage, übernimmt die ÖEL die taktische Einsatzführung und steuert alles, was an sanitäts- und rettungsdienstlichen Aufgaben, Maßnahmen oder Einsatzkräften in dieser Situation zusätzlich benötigt wird. In so einer Lage erhält sie Anweisungen durch die übergeordnete Koordinierungsgruppe.

Die Koordinierungsgruppe besteht aus Entscheidungsträgern der Produktions-, Veranstaltungs- und Sicherheitsleitung, des Sanitäts- und Rettungsdienstes, der Feuerwehr und Polizei, des Ordnungsamts, Katastrophenstabes Steinburg und bei Bedarf verschiedenen Fachberatern oder den Pressesprechern. Sie trifft sich zweimal täglich. Sehen mindestens zwei Mitglieder Bedarf, sich aufgrund von besonderen Lagen oder Geschehnissen zusätzlich zu treffen, geschieht dies innerhalb weniger Minuten und es wird über weitere Maßnahmen beraten und entschieden. Die Ergebnisse werden dann an die TEL weitergeleitet und dort umgesetzt. Auch die Abnahme des gesamten Festivalgeländes gehört zu den Aufgaben der Koordinierungsgruppe.

Die technische und örtliche Einsatzleitung hat sich seit Entstehung des Festivals stetig weiterentwickelt, wobei sie in der derzeitigen Form seit gut zwei Jahren unverändert ist. Zu jeder Zeit war das Wacken Open Air eine sehr geordnete Veranstaltung und die TEL und ÖEL wuchsen mit der Zeit, den neu dazu kommenden Aufgaben und den Besucherzahlen einfach mit.

Rettungswache Wacken

War die Steuerung des Rettungsdienstes zu Beginn des Festivals noch auf dem Gelände des Sanitäts- und Rettungsdienst-Camps zu finden, war die wohl größte Veränderung vor einigen Jahren die Zusammenlegung der TEL mit der ÖEL in die „Kuhle“. Dies ist der Ort, an dem das Wacken Open Air vor fast 30 Jahren erstmals stattfand, damals noch mit nur einigen Hundert Besuchern. Seit diesem Jahr findet man die TEL/ÖEL im Bereich der Produktion neben den Hauptbühnen.
Interessant sind die Strukturen der Festivalrettungswache Wacken nicht nur für Journalisten und Reporter. Delegationen verschiedener Hilfsorganisationen und Feuerwehren besuchen die RKiSH in Wacken, um sich über die notfallmedizinischen Strukturen bei dem Event zu informieren.

Gutes Miteinander – RKiSH und DRK Kaltenkirchen

Die Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen Kräften des DRK Kaltenkirchen und den hauptamtlichen Kollegen der RKiSH funktioniert auch in diesem Jahr wieder vorbildlich. Das Miteinander beider Dienste ist auf Augenhöhe, von den Verantwortlichen bis zu den Helfern und Einsatzkräften. Kompetenzgerangel gibt es nicht, denn unser Auftrag ist einfach: Hier, um zu helfen!

(ls/cz/lm/cm)

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