Start des Akut-Einsatzfahrzeugs (AEF) in Rendsburg
Jan Gadermann ist einer von sieben Akut-NotSan, die das neue AEF in Rendsburg täglich von 9 bis 21 Uhr besetzen.
Rendsburg - Am 1. Juli 2025 ist in Rendsburg unser erstes Akut-Einsatzfahrzeug (AEF) gestartet. Ziel des neuen Versorgungskonzepts ist es, Menschen mit weniger akuten Hilfeersuchen medizinisch bedarfsgerecht zu versorgen und den Rettungsdienst sowie Kliniken zu entlasten.
Das AEF ist ein in der RKiSH neues Versorgungsmodell zur besseren Betreuung von Patienten mit gesundheitlichen Problemen im Grenzbereich zwischen Notfallrettung und ambulanter Versorgung. Es wird eingesetzt, wenn sich Notrufe in der Leitstelle nicht eindeutig als akute Notfälle einordnen lassen, aber dennoch eine medizinische Abklärung erforderlich ist. Ziel ist es, eine passgenaue, bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen, nicht notwendige Transporte in Kliniken zu vermeiden und sowohl Rettungsdienst-Ressourcen als auch Notaufnahmen zu entlasten.
„Wir erleben eine deutliche Zunahme niedrigschwelliger Hilfeersuchen, häufig auch aufgrund von Unsicherheiten oder fehlender Kenntnis über Versorgungsangebote“, so Tim Germann, Projektleiter zur Einführung der Akut-Einsatzfahrzeuge in der RKiSH: „Steigende Einsatzzahlen durch demografischen und strukturellen Wandel sowie sich veränderndes Nutzungs- und Anspruchsverhalten der Anrufer tragen zudem zum Bedarf an neuen Konzepten bei. Das AEF ist eine Antwort darauf“.
Ersteinsatz in Rendsburg, weitere Standorte folgen
Das AEF wird mit einem entsprechend ausgerüsteten Fahrzeug ohne Transportmöglichkeit an der Rettungswache Rendsburg stationiert und ist täglich von 9 bis 21 Uhr besetzt – auch an Wochenenden und Feiertagen. Der Einsatzbereich umfasst das Kreisgebiet Rendsburg-Eckernförde. Die Inbetriebnahme weiterer AEF-Standorte ist für Juli 2026 geplant. An den Rettungswachen Heide-Süd, Pinneberg, Kaltenkirchen und Nordoe soll jeweils ein Fahrzeug stationiert werden.
Besetzt wird das AEF von Notfallsanitäter*innen mit der Weiterqualifizierung Akut-Notfallsanitäter*in (Akut-NotSan). Diese 180-stündige Zusatzqualifikation orientiert sich inhaltlich am bereits zum Beispiel in Niedersachsen erfolgreich eingeführten Konzept des Gemeindenotfallsanitäters.
Im Einsatz arbeiten die Akut-NotSan allein auf dem Fahrzeug, ausgestattet unter anderem mit EKG, Defibrillator, ausgewählten Medikamenten sowie weiterem Akut- und Notfallequipment. Zur Unterstützung und Beratung (beispielsweise bei Transport- und Behandlungsentscheidungen) steht den Akut-NotSan die medizinische Software zur standardisierten Ersteinschätzung (SmED) sowie die Rücksprache mit Telenotärzten der RKiSH zur Verfügung.
„Die Akut-NotSan fungieren als Lotsen. Sie klären vor Ort ab, ob eine weitere medizinische Versorgung nötig ist, beraten die Hilfeersuchenden und vermitteln diese – wenn notwendig – gezielt in den ambulanten Sektor“, erklärt Tim Germann weiter. Krankenhaustransporte werden nur bei medizinischer Notwendigkeit organisiert.
Die rechtliche Grundlage für die Einführung der Akut-Einsatzfahrzeuge bildet eine im Februar 2024 erteilte Genehmigung des schleswig-holsteinischen Justiz- und Gesundheitsministeriums.