Der Kreis Steinburg probt den Katastrophenfall

von Stefan Preuß

Ein Tornado fegt während des Wacken-Open-Air-Festivals über die Veranstaltungsfläche und verursacht nicht nur einen hohen Sachschaden, sondern auch eine sehr große Anzahl an Verletzten. So das Szenario für die groß angelegte, überregionale Katastrophenschutz-Übung des Kreises Steinburg, die am Samstag, den 9. September 2017 in Wacken stattfand.

Wacken – Das beschauliche kleine Dorf im Kreis Steinburg verwandelte sich Anfang September ein zweites Mal in die weltgrößte Heavy-Metal-Metropole. Das Festival war mit 75.000 Besuchern komplett ausverkauft. Auf einer Gesamtfläche von ca. 260 ha tummeln sich etwa 100.000 Menschen, als die Veranstaltung am Freitag von einer Schlechtwetterfront heimgesucht wurde.

Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits tagsüber ungemütliches und regnerisches Wetter angekündigt. Zum Abend hin entwickelte sich eine stürmische Wetterlage mit Windstärken von 9 bis 11 und örtlichen Tornadobildungen. Im weiteren Verlauf des Abends mussten die Konzerte gegen 21.30 Uhr vorübergehend abgebrochen werden. Die Gäste wurden in dem Zuge gebeten sich auf die Campingfläche in die Fahrzeuge zu begeben. Kurz nach Mitternacht bildete sich im Bereich der Gemeinden Wacken und Gribbohm ein Tornado, der über die Veranstaltungsfläche des Musikfestivals fegte und einen massiven Schaden anrichtete.

Die Anzahl der Verletzten war zu dem Zeitpunkt noch nicht konkret bezifferbar. Zum Personenschaden kamen zusätzlich noch Schäden an der Stromversorgung und der Infrastruktur hinzu. Die Zahl der Verletzten stieg immer weiter an, konnte aber bis dato noch von den vor Ort anwesenden Kräften des Rettungsdienstes und des Sanitätsdienstes versorgt werden.

Am Samstag gegen 4.00 Uhr kam die Koordinierungsgruppe, bestehend aus dem Veranstalter, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Ordnungsamt und Security erneut zusammen. Man entschloss sich in Absprache mit der Technischen Einsatzleitung Rettungsdienst den Alarm für eine größere Schadenslage mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) der höchsten Stufe auszurufen. Die Kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn veranlasste die Alarmierung der verschiedenen rettungsdienstlichen Komponenten. Soweit die Ausgangslage für die bisher größte Katastrophenschutz-Übung des Kreises Steinburg.

Die ersten alarmierten Einheiten aus dem Bereich Steinburg erreichten gegen 10.00 Uhr im strömenden Regen die Einsatzstelle, gefolgt von den Einheiten aus Pinneberg, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde. Vor Ort bot sich den Einsatzkräften eine sehr unübersichtliche Lage. Über mehrere Grünflächen lagen Verletzte verteilt, die unterschiedliche Verletzungsgrade aufwiesen.

Nach einer ersten notärztlichen Sichtung der beteiligten Personen konnte eine vorläufige Verletztenanzahl festgelegt werden. Von den insgesamt 325 an der Übung beteiligten Verletzten waren 170 Patienten (30 schwer, 30 mittel und 40 leicht) auf der Grünfläche verteilt.


Die Einsatzstelle wurde in vier Einsatzabschnitte aufgeteilt. Die Schnellen Einsatzgruppen (SEG) errichteten Zelte und betrieben im Anschluss die Patientenablagen. Es folgte der Abtransport der Schwerverletzten in die verschiedenen Kliniken, was sich jedoch als schwierig erwies. Der Plan, eine zentrale Ladezone für alle Patientenablagen zu betreiben, ging witterungsbedingt nicht auf.


„Das Wetter war für uns eine der größten Herausforderungen an dem Tag. Der Dauerregen begann morgens zu Beginn der Übung und hörte nach Übungsende wieder auf. Somit konnten die Fahrzeuge die meisten Abschnitte der Grünfläche nicht befahren. Wenn am Freitag nicht noch 200 m Faltstraße von der Bundeswehr verlegt worden wäre, hätten wir keine Chance die Flächen überhaupt zu befahren.“ erklärte Stefan Denschstädt, stellv. Fachbereichsleiter Einsatzdienst. 

Die Gesamtzahl der Verletzten stieg weiterhin und die rettungsdienstlichen Kräfte reichten nicht aus. Die Koordinierungsgruppe entschloss sich, in Absprache mit dem Kreisverbindungsbeamten, weitere Einsatzkräfte nach zu alarmieren. Es wurde der Katastrophenfall festgestellt.

Die nachrückenden Kräfte wurden länderübergreifend angefordert, da die Kräfte der umliegenden Organisationen und der RKiSH bereits in den Einsatz eingebunden waren, oder den regulären Einsatzbetrieb aufrechterhielten.
Ziel der Übung war es, das Sicherheitskonzept des Wacken-Open-Air auf die Probe zu stellen und die fachübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche zu trainieren.

„Eine Übung in der Größenordnung mit allen vier SEG gab es bisher noch nie. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen untereinander klappte sehr gut. Es gab ein gutes Zusammenspiel mit den eingesetzten Einsatzleitwagen und auch die Kommunikation mit dem Führungsstab des Kreises, der nach dem Ausruf der Katastrophe seine Arbeit aufnahm, funktionierte vorbildlich“ stellte Denschstädt heraus.

Er freute sich über die große Motivation der Mannschaft bei dem Wetter. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man während einer Übung bei so einem Mistwetter trotzdem noch so motiviert ist.“, betonte er. Ein großer Dank geht an die Verletztendarsteller, die alles tapfer ausgehalten haben.

An der Übung waren ca. 430 Einsatzkräfte der RKiSH und den Hilfsorganisationen der SEG mit knapp 200 Fahrzeugen beteiligt.

Wie bei jeder Übung gibt es positive Punkte und Dinge, die sich noch optimieren lassen. Um die Übung noch einmal aufzuarbeiten, treffen sich die beteiligten Führungskräfte am 11.10.17 im Kreishaus in Itzehoe. 

(sp)

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